Lieber ein bisschen langsam.


Jedes Jahr um diese Zeit kriecht der Winter nicht nur in meine Knochen, sondern auch in mein Herz. Die Tage sind so unglaublich kurz und zwischen der Dunkelheit von Taganbruch und Abend liegt dieses merkwürdige Helldunkelgrau, das wohl jedem auf's Gemüt schlägt. Und jedes Jahr um diese Zeit genügt mir nichts, genüge ich mir selber nicht, da will ich alles und schaffe doch gefühlt nichts davon.
Das mag ich nicht. Und ich will das auch nicht mehr. Möchte endlich akzeptieren können, dass ich niemals perfekt sein kann. Also habe ich mit allem auseinandergesetzt, was mein Leben und Denken derzeit bestimmt und versucht, nicht alles in diesem Helldunkelgrau zu sehen. Wie das geht? Man muss ehrlich zu sich selber sein. Sehr ehrlich. Und muss sich selber Dinge eingestehen, die man lieber nie ins Gesicht gesagt bekommen möchte. In dem Prozess des Versuchs einer Besserung stellte es sich als äußerst hilfreich heraus, sich bloß nicht zu hohe Ziele stecken. Alles besser oder gar perfekt von jetzt auf gleich? Blöde Idee! Dann ist man ganz schnell wieder auf Null, weil am Boden. Lieber langsam und stetig, wie bei einem gemütlichen Spaziergang. Und sich hin und wieder erlauben, auch mal stehen zu bleiben, trotz allen Drucks, und an etwas Schönes zu denken und/oder etwas zu bewundern.
Und über was genau habe ich mir Gedanken gemacht? Über vieles. Und weil es der Voll- ständigkeit halber dazu gehört, schreibe ich ein paar dieser Punkte auf.

STUDIUM
Ich werde die Regelstudienzeit für den Bachelor nicht schaffen. Soweit bin ich gedanklich dieses Jahr gekommen. Und auch, wenn es mich ungeheure Überwindung kostete: Schwerer, als zu diesem Schluss zu kommen war es, dies auch meinen Eltern zu erzählen. Keinesfalls möchte ich diesen wunderbaren Menschen Sorgen machen, wo mein Lebenslauf doch schon soviele Höhen und Tiefen durchlaufen ist. Aber auf der anderen Seite verdienen sie (neben mir selber) genau aus diesem Grund doch die meiste Ehrlichkeit.

Und jetzt?
Nachdem ich es meinen Eltern erzählt hatte, fiel eine so eine riesige Last von meinen Schultern und von meinem Herzen. Und plötzlich fand ich neue Energie, mich um viele liegengebliebene Belange in meiner Studienorganisation zu kümmern. Fühlt sich nach wie vor grandios an!


FINANZEN
Geld war noch nie "meins". Und wenn ich welches hatte, war es schneller weg, als ich gucken konnte - obwohl ich nicht mal auf der faulen liege. Ich arbeite 16 bis 20 Stunden in der Woche, die bei mir arbeits- und studientechnisch aus sechs und nicht fünf Werktagen besteht. Aber Studieren und Dach über dem Kopf kostet, davon werden die meisten Studenten ein Lied singen können. Der Frust darüber, finanziell nur kleine Sprünge und praktische keine Einsparungen machen zu können, wuchs fast tagtäglich und eine Lösung kann es doch nur mit einem Lottogewinn geben, oder?

Und jetzt?
Geld soll nicht mein Leben bestimmen, sorgsam haushalten soll keinen Geizhals aus mir machen! Also passe ich beim Einkaufen auf, gönne mir aber manchmal etwas "Unvernünftiges", also Süßigkeiten, Zeitschriften oder ein lecker Essen mit Freund und Freunden. Solange es nicht Überhand nimmt, habe ich mir verboten, ein schlechtes Gewissen zu haben. Und irgendwie freue ich mich jetzt nochmehr als vorher über jede "gegönnte Kleinigkeit". Und weil ich nicht wieder auf die Schiene des schlechten Gewissens geraten möchte, ufert das auch ganz und gar nicht aus. Praktische Wechselwirkung.


BLOGGEN
Das Zugeständnis, dass ich in Sachen Bloggen (auch quasi an euch als meine Leser) machen musste: Ich werde es niemals schaffen, regelmäßig auch nur jeden zweiten Tag zu posten. Der Druck, den ich dadurch auf mich ausübe, regelmäßig qualitativ gleich bleibend Posts zu machen, führt zu totaler Inspirations-Ebbe und verleidet mir zu leicht eine Sache, die gar nichts dafür kann, dass ich höhere Ansprüche habe, als ich reel einhalten kann. Diesen Druck machte ich mir selber, als ich nach meiner Blog-Pause diesen Sommer plötzlich soviel Zuspruch bekam in Form von Leserkommentaren und -Mails, sowie vielen Kontaktaufnahmen durch Firmen.

Und jetzt?
Wenn ich wählen sollte zwischen "häufig irgendwas posten" und "hin und wieder etwas gutes", dann wähle ich doch das "hin und wieder". Qualität ist mein Favorit. Ganz klar. Und wenn ich mich doch immer so freue über eure Kommentare, darf ich auch gerne mal öfter auf euch hören: Wie oft durfte ich schon lesen, dass mein "Privatleben und Studium Vorrang" habe, ihr euch aber einfach so auf Posts freut, egal wie häufig? Ich kann es nicht mehr zählen :) Aber ich bin dafür dankbar. So sehr!


TRAUMPROJEKT
Habe ich davon je gesprochen? Mein größter Fluch ist mein größter Traum, dessen scheinbar anhaltende Unerreichbarkeit mich an manchen Tagen gedanklich völlig lähmt. Dabei ist dieser Traum nicht mal ein besonderer, gemessen daran, dass ihn viele haben: ein verdammtes Buch schreiben.
Die Disziplin mancher Hobbyautoren, die ich im Netz verfolge, ist einschüchternd. Und es ist einschüchternd, weil ich es nicht wage, mein Schreibverhalten zu disziplinieren. Aus Angst, dass dieser Aufwand nur am Ende die Erkenntnis brächte, dass ich eigentlich untalentiert bin. Nichts zu erzählen habe. Und ich habe ein bisschen Angst vor dieser Angst, denn sie bewirkt, dass meine fast täglichen Gedanken zum Thema Schreiben schnell in einer Sackgasse landen.

Und jetzt?
Ich habe OmmWriter gekauft und spare auf eine Lizenz für Scrivener und Scapple. Denn am besten schreibe ich am Laptop, meiner Gedanken-Filter-Maschine. Erfahrungen mit den Programmen habe ich schon gesammelt und finde sie wundervoll. Aber weil die Demoversionen bald auslaufen (die Tage werden nur pro Benutzung und nicht an Kalendertagen gezählt), traue ich mich nicht, meine Notizen einfach zu öffnen. Allerdings habe ich immer Ausreden gefunden, das Geld nicht für die Programme auszugeben. Und damit ist Schluss. Wenn dies wirklich mein Traum ist, muss ich bereit sein, zu investieren. Meine selbstgesetzte dead line ist der 10. Dezember für den Kauf. Ich freue mich jetzt schon!


Diese Liste könnte ich jetzt noch weiter ausführen, aber dies sind erstmal nur die Kernpunkte. Und gemäß meines Vorhabens, mehr Dinge zu genießen, trinke ich jetzt in Ruhe meinen Vanille-Cappuccino aus, lausche dem Soundtrack von "Im Winter ein Jahr" und freue mich (ach, in diesem Posts wird sich über so vieles gefreut...) über den fertig getippten Beitrag :)

Kommentare:

  1. es is wunderbar,dass du deine lösungen gefunden hast.wenn dir mal langweilig sein sollte,kannst du bitte nach welchen für mich suchen? :)

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    1. Die Strategie 1. Probleme/Störfaktoren bestimmen 2. Ehrlich und schonungslos darüber nachdenken, führte bei mir zu guten Lösungsansätzen :) Versuch es mal! Klappt ganz wunderbar bei Momenten der Ruhe (notfalls die Zeit dafür stehlen), mit schöner Musik und jetzt bei der Kälte mit dem favorisierten Heissgetränk und Gammeloutfit :D Schicke dir ein Stückchen Zuversicht <3

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  2. Ein bisschen sprichst du mir ja aus der Seele. Irgendwann nehmen die verschiedenen Dinge, die sonst immer irgendwie parallel laufen (und auch irgendwie klappen, weil sie eben klappen müssen), Überhand, und man weiß nicht mehr so recht, wo man am besten mit neu sortieren anfangen soll. Irgendetwas muss man dann zurückschrauben, aber was, das weiß man nicht.
    Und du hast so völlig Recht: Am besten, man geht ein paar Schritte zurück, schaut sich die eigene Situation ganz in Ruhe aus der Entfernung an und plötzlich wirkt alles weit weniger dramatisch, als man dachte. Ich stelle mir immer die Frage: "Wenn das nicht klappt - was ist das Schlimmste, was passieren könnte?" Und meist ist dieses Schlimmste so wenig ausschlaggebend für wichtige Pläne oder Ziele, dass Dinge auch mal anders funktionieren dürfen als geplant. Ich mache mir da auch viel zu viele Gedanken und muss mich oftmals selbst daran erinnern, mich auch mal zu bremsen.
    Alles in allem ein wirklich schöner Text mit sehr viel Wahrheit.

    Viele liebe Grüße
    Lisa

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    1. Ja, das mit dem "Klappen" find ich dann immer relativ, zuindest geht es mir so, dass ich zwar viel parallel mache, aber nicht immer, weil ich wirklich, wirklich muss, sondern weil ich einfach dies, das und jenes anfange. Und selbst wenn alles klappt, ist das Ergebnis wieder so eine andere Sache bei mir -.-

      "Wenn das nicht klappt - was ist das Schlimmste, was passieren könnte?" ist eine schöne "Leitfrage", ja :D Merke ich mir!

      Danke dir :D♥

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  3. Den Beitragsdruck kenne ich. Es gibt Tage da ist der Flow in mir und es gibt Tage da scheint er 5 Meter unter der Erde zu liegen. Auch ich hab für mich beschlossen nur zu schreiben, wenn es sich gut anfühlt. Deswegen kann ich dich dabei nur UNTERSTÜTZEN!.
    Auch wenn du es schon oft gehört bzw. gelesen hast. Dein privates Leben geht vor.

    Schreib dein Buch. Fang einfach an. Schreiben ist Kunst. Es gibt kein gut oder schlecht. Kein Talent gibt es nicht. Es ist dein Buch. Deine Geschichte und dein Traum. Andere spielen hierbei erst einmal keine Rolle. Natürlich wäre es am Ende schön, wenn Andere ebenso deinen Traum feiern. Jedoch bin ich der Meinung, das dies die Kirsche auf der Sahne wäre.

    Liebste Grüße

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    1. Danke für deine aufmunternden Worte :D Und oft genug kann ich das gar nicht hören! Denn es werden wieder Tage des Zweifels kommen, auch das akzeptiere ich. Ein bisschen Zweifel ist ja auch gut. So ganz ohne hinterfragen und Selbstkritik wär ja auch irgendwie doof.

      "Einfach anfangen zu schreiben" ist einem semiprofessionellen Prokrastinateur leichter gesagt, als er's umsetzen kann :p Aber mit den bewährten Schreibprogrammen in der Vollversion, will ich mich selber ja dazu zwingen. Denn wenn ich wirklich so immens toll mit ihnen arbeiten kann, steht mir ja dann nichts weiter im Wege - außer mir selbst (und genau das will ich ja nicht mehr)...

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  4. Einzigartig wunderbar geschrieben. Und ich kann alles nachvollziehen, wenngleich auch nicht so wunderbar umsetzen. Aber grundsätzlich berührst du mich mit deinen dargelegten Punkten. Danke dafür - und weiter so. Auf in Richtung individuelle Realität und vor allem in Richtung Träume.
    Herzlichst

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    1. Danke für das Kompliment :D♥ Und ich drücke dir die Daumen, dass aus Inspiration Taten werden können!

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  5. Schöner Eintrag! Man lernt mehr über dich kennen und es regt gleichzeitig auch zum Denken an. Ich find's gut, dass du dich von deinen "Problemen" nicht stressen lässt & find' deine Einstellung dazu auch recht "gesund".

    Liebe Grüße
    Petra

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    1. Danke dir :D Ja, es ist recht selten etwas wirklich persönliches über mich zu lesen. Und ich muss sagen, das ist auch gar nicht so leicht...!

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  6. hach mir gehts momentan ganz genauso ..

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